Audiograde Ardora Standlautsprecher Passiv - Version

 

Eine B&W 802D4 bspw. klingt gegen die Audiograde Ardora langsam und verhangen! Kein Wunder, betrachtet man sich das äußerst aufwendige Gehäuse gepaart mit exquisiter Accuton Bestückung mit Waveguide Vorsatz.

 

Eine der wenigen Lautsprecher der uns bei den letzten Hörsessions wirklich fasziniert hat!! Dazu sei gesagt, dass wir aus diversen Gründen keine Accuton Fetischisten sind und den Hype in vielerlei Hinsicht nicht nachvollziehen können.

 

Wir haben PERFEKT abgestimmte Elektronik für die Audiograde Ardora und schnüren Ihnen gerne ein Komplettpaket.

 

Ps. Die Aktiv-Version kann gegen die passive einpacken.

 

Z019/4

28.500,00 €

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  • 280 kg
  • leider ausverkauft

 

Weiterführende Informationen:

 

„Eigentlich wollte ich nur ein Lautsprechergehäuse bauen. Darüber bin ich dann Kunststoff-Gusstechniker geworden“, so Wolfram Szentiks, Entwickler und Vorstand der Audiograde AG (Web: www.audiograde.de), anlässlich eines Besuchs in Berlin, bei dem er uns seinen in vielerlei Hinsicht ungewöhnlichen Vollguss-Lautsprecher namens „Ardora“ vorstellt. Etwas despektierlich ließe sich also von einer „Plastikbox“ sprechen.

 

Doch das weckt völlig falsche Assoziationen, allein schon gewichtstechnisch: Ein Paar dieser hübsch geschwungenen Lautsprecher wiegt nämlich eine Vierteltonne. Jawohl, 250 Kilogramm. Netto wohlgemerkt, also ohne die Flightcases, die als Verpackung dienen und ihrerseits so viel auf die Waage bringen, wie normale ausgewachsene Standboxen es gemeinhin tun. Gut ist’s, wenn man seine Grenzen kennt: Erstmalig in der fairaudio-Geschichte werden kräftige Umzugshelfer angeheuert, um Lautsprecher in den Hörraum zu wuchten. Das fängt ja gut an!

 

Audiograde-Anlieferung

Wolfram Szentiks (kniend), Entwickler und Vorstand von Audiograde, sowie Johannes Krämer, verantwortlich fürs Marketing, helfen bei der Aufstellung der Ardora

 

Natürlich ging es Szentiks – von Haus aus Elektrotechniker mit vertiefter Expertise im Bereich CNC-Technik – nicht darum, ein maximal schweres, sondern resonanz– und vibrationsarmes Lautsprechergehäuse zu kreieren. Ein solches sollte gegossen werden, so seine Überzeugung, denn nur das sichere einen nahtlosen Korpus, einen Monolithen ohne Materialübergänge. Solche Übergänge – im Lautsprecherbau klassischerweise die Verleimungen der einzelnen Holzplatten – seien in Bezug auf Resonanzen nämlich immer Schwachstellen.

 

Audiograde ArdoraEine für den Einsatzzweck optimale Spezial-Kunststoffmischung musste natürlich auch erst gefunden werden. Und als das geschehen war, zeigte sich die Nebenwirkung der „Polygrade“ genannten Spezialkomponenten-Mischung, nämlich dass das Zeug – sorry – sauschwer ist. Ungefähr so schwer wie Beton und damit mehr als dreimal dichter als MDF, das am weitesten verbreitete Material im Boxenbau, weshalb Szentiks auch von „Polymerbeton“ spricht. Entsprechend witzlos fällt der ominöse Klopftest bei diesem Lautsprecher aus – ein Brückenpfeiler klänge da wohl ganz ähnlich. Erwähnte ich schon, dass die Wandstärke an der dünnsten Stelle 35 mm, anderenorts aber 60 mm beträgt?

 

Weshalb aber die geschwungene Form? Nein, nicht allein der Optik wegen, wobei die ja durchaus ihren Reiz besitzt und die Audiograde Ardora einmalig macht – gerade auch in Asien käme sie gut an, vermutlich wegen gewisser Yin-Yang-Assoziationen, erfahre ich. Hm, so hatte ich das noch gar nicht betrachtet. Doch es geht beim Gehäusezuschnitt natürlich genauso gut um akustische Belange, schließlich soll eine solche Form stehende Wellen im Innern minimieren. Klar – dergleichen streben so einige Lautsprecherentwickler an, warum sollte das hier falsch sein?

 

 

Blick in die Produktion: Das gegossene Ardora-Gehäuse (beigefarben) in der individuellen Styropor-Form

 

Das Gehäuse ist nicht die einzige Besonderheit der Ardora, aber wohl die auffälligste. Was man auf den ersten Blick jedoch nicht sieht, ist der enorme Aufwand, der dahintersteckt. Szentiks sagt, er habe an dem Gießverfahren allein schon acht Jahre lang gearbeitet. Erst nachdem er von der prinzipiellen Machbarkeit überzeugt war, gründete er das Unternehmen Audiograde in 2010. Es verging ein weiteres Jahr, bis man produktionsseitig wirklich so weit war, die gewünschten Qualitäten im Vakuumgussverfahren herstellen zu können. Stand heute wird allein zur Anfertigung eines Gehäusepaares – inklusive der Oberflächenbehandlung – gut eine Woche benötigt. Das ist vergleichsweise schon enorm viel Zeit, vor allem im Hochlohnland Deutschland. Die Szentiks’sche Spezialmischung gibt es natürlich auch nicht für umsonst – und gut 140 l werden für ein Pärchen benötigt. „Da sind so einige Liter für Anguss und Aufmaß mit dabei. Circa 30 kg werden durchs Fräsen wieder abgetragen. Das tut mir in der Seele weh“, verrät der Entwickler. So langsam erklärt sich mir nicht nur das hohe Gewicht, sondern auch der nicht minder schwere Preis. Die Audiograde Ardora ist deutsches Manufaktur-Handwerk im Wortsinn.

 

Bearbeitung des Ardora-Gehäuses

 

Audiograde Ardora - RückansichtEin derart aufwendiges Gehäuse bestückt man natürlich nicht mit B-Ware. Ganz im Gegenteil, für die Ardora wird zur feinen und eben auch teuren Ware aus dem Hause Thiel/Accuton gegriffen. Der Audiograde-Lautsprecher wurde komplett mit diesen ebenfalls aus deutscher Fertigung stammenden Keramikchassis bestückt: Zwei 17er teilen sich das tonale Unterhaus – wobei sich der untere Treiber schon früher, nämlich bei 550 Hertz, auskoppelt, es handelt sich also um ein 3,5-Wege-Design. Ein 50-mm-Mitteltontreiber bestellt das Feld zwischen 1,2 und 3,65 kHz, darüber hinaus werkelt dann die 25-mm-Inverskalotte. Der Bassreflexport sitzt auf der Rückseite der Ardora, ziemlich exakt auf halber Höhe des 108 cm messenden Lautsprechers.

 

Die Accuton-Keramiktreiber gelten vielen als impulsschnell, hochauflösend und verzerrungsarm – aber manchen auch als etwas scharf im Klang. Verantwortlich dafür wird zumeist das sogenannte „Aufbrechen“ der Membranen gemacht, eine Resonanzerscheinung am oberen Ende des Einsatzbereichs der jeweiligen Chassis. Szentiks hat einige Maßnahmen ergriffen, damit es dazu nicht kommt: Die Entscheidung gegen ein 2- oder 2,5-Wege-Konzept und damit für einen dedizierten Mitteltontreiber gehört – so banal es klingt – dazu. Man könnte die 17er-Chassis auch höher hinauflaufen und den Hochtöner tiefer starten lassen – doch genau damit verließe man, so Szentiks, den Wohlfühlbereich der Treiber, was das gefürchtete Aufbrechen wahrscheinlicher mache. Es wundere ihn, warum man den 50-mm-Keramik-Mitteltontreiber so selten zu Gesicht bekommt. Szenitks modifiziert dieses Chassis noch, indem er im Sinne weiterer Resonanzminimierung den hinteren Gehäuseteil entfernt. Natürlich stecken Mittel- und gekapselter Hochtöner der Ardora in einem von den Basstreibern (die auf circa 50 l je Box arbeiten) getrennten Volumen, damit klangschädigende Beeinflussungen unterbleiben.

 

Gehäuseaufbau der Audiograde Ardora

Gehäuseaufbau der Audiograde Ardora

 

Damit der ideale Einsatzbereich der Treiber eingehalten wird, erfolgt die Trennung der Wege mit 12 dB/Oktave. Und auch wenn manche Entwickler Weichen erster Ordnung eine höhere Phasentreue nachsagen – Szentiks will den Keramikchassis mit der doppelstöckigen Ardora-Frequenzweiche nicht nur eine saubere Trennung der Arbeitsbereiche vorgegeben, sondern auch ein ziemlich impulsoptimales Verhalten anerzogen haben – mit feinen Bauteilen bestückt (Flachbandspulen und MCap-Supreme-Kondensatoren von Mundorf) ist sie auf alle Fälle.

 

Die Weiche der Ardora ist doppelstöckig ausgeführt

Die Weiche der Ardora ist doppelstöckig ausgeführt

 

Einen weiteren Beitrag gegen Härten und zur Steigerung der Verzerrungsarmut stellt übrigens auch die spezielle Doppel-Schallführung für Mittel- und Hochtontreiber dar – die weltweit erste ihrer Art für Keramikchassis übrigens. Natürlich steigt mit diesem Waveguidemodul auch die Schalldruckausbeute – und was von sich aus lauter tönt, muss man nicht weiter treten, salopp formuliert. Je weniger Hub eine Membran für einen bestimmten Pegel machen muss, desto verzerrungsärmer fällt in der Regel das Ergebnis aus.

 

Doppel-Waveguide der Ardora

Doppel-Waveguide der Ardora

 

Dabei dient das Ganze eigentlich primär dazu – logisch! –, die Waves zu guiden, also das Abstrahlverhalten möglichst homogen und zielgerichtet im Sinne eines breit angelegten Sweet-Spots zu „formen“. Die obengenannte Nebenwirkung in Form einer höheren Schallleistung bei gleicher Hubarbeit der Treiber nimmt man aber natürlich gerne mit – wie des Weiteren auch betont wird, dass der Waveguide dabei helfe, die akustischen Zentren der beiden Chassis zusammenzurücken. Die angestrebten Ideale lauten hier: Punktschallquellencharakteristik und Phasenkohärenz.

 

Die Ardora gibt es auch in einer aktiven Variante. Dann wird sie je Kanal von vier 300-Watt-Endstufen befeuert und von einem DSP-basierten Lautsprechermanagementsystem gesteuert. Bei Letztgenanntem handelt es sich um deutlich mehr als eine einfache Aktivweiche. Das System ermöglicht es nämlich, die Lautsprecher komplett auf die jeweilige Raumakustik beim Kunden vor Ort anzupassen. Diese individuelle Einmessung gehört selbstverständlich mit zum Service, entscheidet man sich für die Ardora Active. Die Passivversion lässt sich auch nachträglich noch aktivieren, preislich liegt diese Option bei 16.000 Euro. Doch hören wir erst einmal in das hinein, was unser passiver Silberpfeil zu bieten hat …

 

Ist Ihnen das auch schon einmal passiert, dass Sie aus unbekannten Gründen den Alarm Ihres Weckers aktiv gelassen haben – und dann geht das Ding genau dann los, wenn Sie Laurie Andersons Werk Bright Redentspannt Musik hören möchten? Sehr nervig. Da gebe ich mich Laurie Andersons Werk Bright Red in voller Länge hin, bin so richtig drin in dieser ultratransparenten Klangwelt, die die Audiograde Ardora vor mir ausbreitet – und dann sowas. Piep, piep, piep. Fast schon zur Tür hinaus, geht mir auf: Hey! Das ist ja gar nicht mein Wecker. Das kommt aus den Lautsprechern. Wow! Ich bin ziemlich überrascht.

 

Nicht dass ich mich zu denen zähle, die zig Tausende ins HiFi-Geraffel stecken, um sich dann Testtöne anzuhören – bewahre! –, aber trotzdem: Dass die Ardora mich derart austrickst, ist wirklich nicht schlecht. Zugegeben, es gelingt ihr auch deshalb gut, weil ich bis zum Song „Same Time Tomorrow“ seltenst komme, ihn dementsprechend nicht wirklich gut kenne – der Überraschungseffekt spielt also mit hinein. Schnell wechsele ich zu meiner Referenz-Höre, den Dynamikks Monitor 8.12. Da müssen ja Gott sei Dank nur 110 kg bewegt werden statt gleich ’ne viertel Tonne, das ist fix gemacht … Klar, die Überraschung ist jetzt weg, aber da vertue ich mich trotzdem nicht, die Dynamikks hat dieses Weckerpiepen nicht derart realistisch drauf wie das Schwergewicht aus Aachen. Es wirkt einfach nicht ganz so echt, plastisch, ja: naturidentisch. Kein Mensch vermisst das – wenn ihm der Direktvergleich fehlt. Klingt schon sehr glaubhaft und ehrlich, ja … aber meinen Hintern hieve ich nun nicht aus dem Sessel, um im Schlafzimmer nachgucken zu gehen. Sooo glaubhaft ist’s dann halt doch nicht.

 

Audiograde Ardora

Die Ardora steht auf vier aus dem Vollen gedrehten Messingfüßen

 

„Was schreibt der denn da zwei Absätze zu ’nem Weckerpiepen voll?“, fragen Sie. Nun, dergleichen könnte als „egal“ durchgehen, stimmt, aber für mich ist’s ein Wink, wohin die Reise mit der Audiograde Ardora geht: Hohe Auflösung, verbunden mit extremer Verzerrungsarmut und einer Plastizität, die der Erfahrung nach eigentlich nur mit einem gelungenen time-alignement resultieren kann. Wenn kurze Geräusche beziehungsweise Transienten derart echt und körperlich fassbar im Raum hängen, hat das eigentlich immer etwas mit dem Thema „Zeitrichtigkeit“ zu tun. So habe ich das jedenfalls öfter erlebt, mit den großen Surrountec-Lautsprechern auf der Münchner High End etwa, oder als ich einmal bei Hört sich gut an in Bielefeld die großen Ascendo System M-S hörte, auch meine inzwischen „verflossene“ System F aus gleichem Hause ging in die Richtung, eine Myro Whisky ebenfalls.

 

Audiograde Ardora - je nach Kundenwunsch gibt's eien Single- oder ein Bi-Wire-Terminal

Je nach Kundenwunsch gibt’s die Ardora mit Single- oder Bi-Wire-Terminal

 

Cake/Motorcade of GenerosityUnd nun also die Audiograde. Um mir ein weiteres Geräusch zu geben, wähle ich „Rock’n’Roll Lifestyle“ von Cake (Album: Motorcade of Generosity) aus. Bevor der Song richtig anfängt, zündet sich jemand ostentativ eine Kippe an und braucht zwei Streiche, bis das Holz entflammt – und ich unwillkürlich lache. Tja, so klingt ein Streichholz. Nicht nach mehr und nicht nach weniger, das ist die pure akustische Essenz des Entflammens. Nach dem genauso livehaftig wirkenden Ausblasen des Holzes setzt links ein Shaker ein, und kurz glaube ich, die Körner in ihm ganz easy durchzählen zu können, derart klar kommt das ans Ohr. Sie wollen wissen, was die Audiograde Ardora vor allem ausmacht? Sie ist eine akustische Lupe Regina Spektorsondergleichen. Wenn Regina Spektor auf „Somedays“ (Album: Soviet Kitsch), kurz bevor sie tatsächlich singt, den Mund öffnet und die Lage ihrer Zunge um anderthalb Zentimeter variiert – dann kriegt man genau das mit. Nichts wird verschleiert, aber genauso wenig forciert, angespitzt, überdeutlich-gezwungen und damit artifiziell dargestellt. Es frappiert, wie völlig klar ein derart leises Signal überhaupt abgebildet werden kann. Ich vermag nicht zu sagen, ob die Ardora in Sachen Auflösungsvermögen nun das Ende der Fahnenstange ist – da bin ich lieber vorsichtig, im Zweifel steht hier bald eine 50-kEuro-Box, die noch mehr schafft, und was schreibe ich dann? –, aber ich weiß, dass ich dergleichen bei mir bis dato noch nicht gehört habe. Was das minutiöse Aufdröseln feinster Klangtexturen und das akribische Nachzeichnen noch kleinster Details angeht, liegt die Audiograde ganz weit vorne. Hören in Full-HD.

 

 

Zwei 17-cm-Treiber von Accuton bestellen die unteren Oktaven, der hier abgebildete mit den Resonanzminimierungspads an den Seiten läuft bis 1,2 kHz hoch, der untere arbeitet bis 550 Hz

 

Möglich wird das wohl nicht nur, weil die Accuton-Keramikchassis der Audiograde Ardora in der Lage sind, leiseste Signale akkurat von sich zu geben, sondern auch, weil diese Mikrodetails eben auch durchkommen, sprich nicht verdeckt werden. Hier macht sich der Szentiks’sche Vibrationsminimierungs-Wahnsinn mit dem Vollgussgehäuse dann wohl bezahlt. Akustische Störkomponenten glänzen durch Abwesenheit, das Klangbild ist auffällig rein und verzerrungsarm. Und mehr als das: Da das Gehäuse schweigt, wird es fürs Klangbild akustisch unsichtbar. Große Lautsprecher stehen sich ja bisweilen selbst im Weg, was die Bühnendarstellung betrifft – es klingt dann halt „wie aus einer Box“. Dagegen haben manche Hörer geradezu eine Allergie und schätzen deshalb gut gemachte Kompaktmonitore, die resonanztechnisch in aller Regel unauffälliger sind als Standmodelle – und die kleineren Abmessungen tun ihr Übriges.

 

Audiograde Ardora

 

Auch wenn die Ardora kein Kühlschrank ist, als „kompakt“ geht sie wohl kaum durch. Gleichwohl dürfte sie einer der am freiesten abbildenden Lautsprecher sein, die mir untergekommen sind. Einzelne Klänge werden hochfokussiert, kompakt und griffig dargestellt. Egal ob in der Mitte der Bühne oder am Rand. Egal ob vorne oder hinten. Egal auch – und das ist ebenfalls selten – in welcher Tonhöhe: Eine Stimme fest gefügt und prägnant im Zentrum zu setzen, das gelingt anderen auch. Bei den Nik Bärtsch/RandoriFrequenzextremen wird’s aber interessant. Bisweilen wirken angeschlagenen Becken wie etwas, nun ja, milchstraßenartig Seiendes im Klangbild – und dazu dann ein Basslauf, der quasi von überall herzukommen scheint. Nicht so mit der Ardora! Nik Bärtschs „Modul 15“ (Album: Randori) beginnt mit Solo-E-Bass-Spiel. Zweifellos wird hier über meine Dynamikks mehr Luft bewegt, das Ganze gerät physischer, hat mehr Punch. Aber mit der Audiograde ist der Ton räumlich enger definiert, wie ein kleiner Kraftzwerg turnt dieser sehnige Basslauf in der Mitte der Bühne vor mir rum – während es bei der Dynamikks eher einer sportiv-federnden Wand gleicht. Interessant: Zwei „Interpretationen“ des Gleichen, die beide ihren Charme besitzen.

 

Was haben wir bisher? Was zeichnet die Audiograde aus? Auflösung, Auflösung, Auflösung – das Vermögen, noch kleinste Klangschattierungen zutage zu fördern, ist sehr hoch. Der Ardora entgeht nix. Zudem versteht sie es, sehr frei, fokussiert, randscharf und plastisch abzubilden. Nicht, dass dergleichen noch nie gehört wurde – neben den oben schon genannten Lautsprechern kommt mir etwa auch eine Blumenhofer Genuin FS2 in den Sinn. Doch in Kombination mit diesem Auflösungsvermögen wird eben auch räumlich eine fast schon unheimlich transparente Darstellung geboten. Dabei ist die reine Größe der virtuellen Bühne eher „Normalmaß“, extrabreiten Panoramasound bietet die Audiograde jedenfalls nicht. Die Tiefenstaffelung ist so gut, wie die Quelle es hergibt – klasse, doch das können andere Spitzenboxen auch. Die imaginäre Bühne beginnt übrigens ziemlich genau auf der Lautsprecherebene, weder groß davor noch dahinter; auch hier agiert die Ardora nach reiner Lehre.

 

Audiograde-Waveguide

Audiograde-Waveguide

 

Eine Aussage, die, tonal betrachtet, so nicht 100%ig zutrifft. Die Audiograde ist im Bass schlanker gehalten und besitzt ein Mittenband, das eher Richtung präsenter/leichter geht als dass es saftig/satt/sonor rüberkäme. Der Hochton wiederum ist „gefühlt flat“, kein Ab- oder Aufrunden lässt sich vernehmen – einfach straight durchgezogen. Diese Abstimmung hat zur Folge, dass man sich um die Ardora ein wenig kümmern muss. Bei mir stand sie anfangs beispielsweise circa 1,5 Meter von der Rückwand entfernt und hing an einem Lautsprecherkabel tendenziell hellerer Gangart. Das klang nicht wirklich ausgewogen. Also Strippe gewechselt und den Wandabstand halbiert (ächz!) – voilà: passt doch. Der Tiefton der Audiograde erschlägt mich nun immer noch nicht und insgesamt tönt’s nach wie vor eher leichtfüßig als breitbeinig. Aber die Gesamtbalance hat sich deutlich verbessert.

 

Eine Nebenwirkung des sehr konturierten und detaillierten, aber eben nicht wirklich voluminösen und tiefreichenden tonalen Untergeschosses liegt auch darin, dass es grobdynamisch zwar ganz gut zur Sache gehen kann – aber „gut“ ist in Relation zum Audiograde Ardoraaufgerufenen Invest eben auch keine echte Stärke. Wer von Nirvana, Smashing Pumpkins oder seiner neuesten Elektropunk-Compilation in Konzertlautstärke geföhnt werden will, für den stehen fürs Geld andere Konzepte parat. Daraufhin scheint mir die Ardora einfach nicht gezüchtet worden zu sein.

 

Wenn es dagegen um feindynamische Raffinesse geht, so kann ich an dieser Stelle eigentlich wieder nur voll des Lobes sein. Selten hat mich ein Lautsprecher bei Gesang derart gefesselt. Wer nuanciert gespieltes, gut aufgenommenes Klavier schätzt, der wird ehrfürchtig den Kopf schütteln angesichts dessen, was diese geschwungenen Schwergewichte ihm alles offenbaren. Sich mit der Audiograde mal wieder Bachs Cello-Suiten zu geben, ist wahrlich auch keine schlechte Idee. Gerade läuft das Charles Lloyd Quartet (Album: Mirrow) und diese unmittelbare Präsenz seines Saxophons in meinen vier Wänden – wow, das ist einfach nur ergreifend.

 

Sehr kostspielig, außergewöhnlich geschwungen und geradezu abartig schwer – das ist die Audiograde Ardora. Zum einen. Zum anderen wird auch akustisch Außergewöhnliches geboten: Die völlige Reinheit des Tons gepaart mit höchstem Auflösungsvermögen und akkurater räumlicher Darstellung ergibt ein Klangbild von kaum zuvor gehörter Transparenz und Durchsichtigkeit. Die Ardora zeigt einem alles auf. Oder andersrum betrachtet: Sie fügt nichts hinzu. Die Abwesenheit Audiograde Ardoranoch minimalster Störkomponenten und Verzerrungen erstaunt auch nach längerer Hörzeit immer wieder aufs Neue. Auf jedem Album lassen sich ein paar Details ausmachen, die zuvor offenbar in einem akustischen Nebelschleier gesteckt haben müssen. Faszinierend. Der Audiograde-Lautsprecher ist Resultat eines extrem zu nennenden Resonanz- und Vibrationsminimierung-Konzeptes – und als solches ein echtes Stück Lautsprecherkunst.

 

Es stimmt: Fürs Geld lässt sich mehr Basspunch und -tiefgang kaufen, wenn’s das denn sein soll. Andererseits ist vielleicht genau diese Abstimmung für manchen sogar ein Problemlöser: In mittelgroßen Räumen stehen Boxen doch gerne einmal recht wandnah, was für viele, wenn nicht sogar die meisten Lautsprecher dieser Liga tonal nicht ideal ist – Stichwort: Blähbauch im Oberbass. Bei der Ardora dagegen kann sich eine solche Aufstellung sogar zum Vorteil gestalten. Gepaart mit kräftiger, tendenziell am besten etwas sonorer aufspielender Verstärkung wird so ein akustischer Traum möglich, ohne dass man mit den neuen Spitzenboxen im Wohnzimmer auch gleich noch eine Art Raumteiler installiert.

 

Steckbrief Audiograde Ardora:

 

Die Ardora bietet eine phänomenale Auflösung, noch scheinbar nebensächlichste Details und kleinste Klangvariationen werden mühelos nachgezeichnet. Der Lautsprecher gibt sich fast schon auffällig verzerrungsarm und rein. Pointiert ließe sich sagen: Man hört, dass man nichts hört – nämlich nichts vom Gehäuse. Der Vollguss-Monolith macht sich akustisch unsichtbar und drängt sich optisch deutlich weniger auf als so manche andere Spitzenbox dieser Preisklasse.

Die virtuelle Bühne beginnt ziemlich genau auf der Lautsprecherebene und besitzt „normale“ Dimensionen: weder Klein-klein noch Cinemascope-Panoramasound, wenn die Aufnahme es nicht hergibt. Auffällig gut sind die klare Durchsicht in die Tiefe der Bühne und vor allem die hochfokussierte und plastische Abbildung der einzelnen Klänge. Jegliche Undeutlichkeit wird weggewischt, so der subjektive Eindruck.

Die Ardora spielt auf der tonal leichteren Seite, gibt sich im Bass schlanker und neigt in den mittleren Lagen mehr ins Präsentere als ins Sonore. Der Hochton bewegt sich auf neutralem Niveau. Die unteren Lagen sind sehr „schnell“, konturiert und – wie die Ardora insgesamt – sehr detailreich.

Grobdynamisch ist die Audiograde Ardora gut beieinander, aber dieses Feld ist auch nicht ihr Hauptanliegen, da geht fürs Geld (noch) mehr. Feindynamisch spielt sie auf sehr hohem Niveau.

Die Wiedergabe von Transienten gerät völlig überzeugend, Töne explodieren quasi aus dem Nichts und hängen im Raum, aber gleichzeitig wirkt das auch nicht „überrissen“ oder artifiziell-scharf, sondern natürlich. Erstklassig.

Fakten:

 

Modell: Audiograde Ardora

Konzept: passiver Dreieinhalb-Wege-Standlautsprecher, Bassreflex

Preis: 27.000 Euro (Paar)

Maße & Gewicht: 108 x 25 x 45 cm (HxBxT), 125 kg/Stück

Farben: auf Kundenwunsch

Garantie: Chassis 5 Jahre, Gehäuse 15 Jahre